Am 22. Januar 2026 hat in Freiburg ein „Rheintalbahn-Gipfel“ stattgefunden. Die Bahn plant zwar schon „eine halbe Ewigkeit“ am Ausbau der Rheintalbahn. Gemessen an den 2000er Jahren ist mittlerweile auch mehr Ruhe in das Thema eingekehrt. Wenn die jetzt vorliegende Bahnplanung allerdings realisiert werden wird, wird sie die Region mit voller Wucht treffen: Zwischen Offenburg und Riegel soll die heutige Bahnstrecke komplett abgerissen und neu errichtet werden. Damit der Personenfernverkehr zwischen Offenburg und Riegel mit bis zu 250 km/h fahren kann, sollen ab Orschweier bis südlich von Kenzingen vier durchgehende Gleise durch die Ortslagen errichtet werden. Hierzu muss aber nicht nur die heutige Rheintalbahn abgerissen und vollständig neu errichtet werden. Das gilt auch für alle Kreuzungsbauwerke, insbesondere alle Brücken, die über die heutige Rheintalbahn führen. Die DB InfraGO AG, die für das Projekt verantwortliche Bahn-Tochter, geht davon aus, dass auf der heutigen Rheintalbahn für mindestens sechs Jahre kein Zug verkehren wird. Wie der öPNV in dieser Zeit – ohne nutzbare Schienenverbindung zwischen Offenburg und Freiburg, mit gestörten Ost-West-Verbindungen durch den Abriss der Brücken – konkret ausgestaltet werden soll, steht jedoch noch nicht fest. Gegen diese Bahnplanung haben sich die Städte Herbolzheim, Kenzingen und Mahlberg klar positioniert.

Vertreten von W2K, namentlich Rechtsanwalt Prof. Dr. Dominik Kupfer und Rechtsanwalt Dr. Christoph Mayer, LL.M., fordern die Städte – und das seit der Neuauflage der Planfeststellung im Oktober 2021 – doch zumindest zu prüfen, ob es nicht zweckmäßiger wäre, den Personenfernverkehr ebenfalls – wie es für den Güterfernverkehr vorgesehen ist – auf die Ostseite der Bundesautobahn A5 zu verlegen. Anstatt zwei Gleisbündel mit mehreren Kilometern Abstand zu errichten (mindestens zwei durchgehende Gleise entlang der A5 kombiniert mit Hochgeschwindigkeitsgleisen durch die Ortslagen auf der Trasse der heutigen Rheintalbahn – sog. Kombinationslösung), könnten alle Gleise, die zur Bewältigung sowohl des Güter- als auch des Personenfernverkehrs erforderlich sind, entlang der Autobahn gebündelt errichtet werden (sog. Bündelungslösung). Bis heute weigert sich das für den Ausbau zuständige Bahn-Unternehmen jedoch, diese Prüfung überhaupt vorzunehmen. Und das, obwohl das Regierungspräsidium Freiburg als Anhörungsbehörde für den Planfeststellungsabschnitt 8.0 (Kenzingen – Riegel/Malterdingen) deutliche rechtliche Risiken für die Rechtmäßigkeit des Planfeststellungsverfahrens sieht, sollte diese grundlegende Alternativenprüfung („Wo sollen die Gleise errichtet werden?“) nicht durchgeführt werden.
Die Presseerklärung des Regierungspräsidiums ist hier abrufbar.
In dem Gespräch am 22. Januar, an dem hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Bahn, der Bundes- und Landesverkehrsministerien, südbadische Bundestags- und Landtagsabgeordnete sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus der Region teilgenommen haben, hat Herr Kupfer für die von W2K vertretenen Gemeinden deutlich gefordert, jetzt zeitnah endlich zu prüfen, ob es nicht zweckmäßiger sein könnte, die neuen Gleise allesamt – für den Güter- und den Personenfernverkehr – entlang der Autobahn zu errichten und auf den Abriss der heutigen Rheintalbahn zu verzichten. Für diesen Fall können die neuen Gleise zeitnah errichtet und der Verkehr bis dahin wie gewohnt fließen. Es bedarf keiner Provisorien, keines Abrisses von mehr als 50 Brücken und keines mehrjährigen Schienenersatzverkehrs. Sind die Gleise entlang der Autobahn errichtet, kann der Verkehr einfach aufgenommen werden. Auf der heutigen Rheintalbahn wäre dann Platz für ein wirklich ansprechendes Nahverkehrsangebot. Denkbar wäre es, einen Viertel-Stunden-Takt zwischen Freiburg und Offenburg einzurichten.

Sollte die von den Städten Kenzingen, Herbolzheim und Mahlberg geforderte Alternativenprüfung auf überzeugende Weise zu dem Ergebnis führen, dass es tatsächlich vorzugswürdig ist, die Güterverkehrstrasse an der Autobahn und die Fernverkehrstrasse davon getrennt durch die Ortslagen zu führen, steht die nächste Frage zur Klärung an: Die Vorhabenträgerin meint, die heutige Rheintalbahn vollständig abreißen und neu bauen zu müssen, um den Schienenverkehr in Zukunft mit bis zu 250 km/h zwischen Offenburg und Kenzingen fahren lassen zu können. Sollten nur Geschwindigkeiten bis zu 230 oder 200 km/h ermöglicht werden, würden die baulichen Maßnahmen an der heutigen Rheintalbahn deutlich geringer ausfallen. Die heutige Rheintalbahn müsste nicht komplett abgerissen und vollständig neu errichtet werden. Auch bräuchte es keine Erweiterung auf vier Gleise ab Orschweier nach Süden. Warum also muss diese Strecke gerade auf 250 km/h ausgelegt werden? Warum genügt keine Ertüchtigung auf 230 oder 200 km/h?
In dem laufenden Planfeststellungsverfahren (PfA 8.0) stellt sich die DB InfraGO AG bisher auf den Standpunkt, die Auslegung auf 250 km/h sei ein von ihr zurecht selbstgesetztes Projektziel. Angesichts der Folgen dieser Vorgabe für die Auswirkungen des Projekts ist das inakzeptabel. Die Entwurfsgeschwindigkeit muss verkehrsfunktional sauber abgeleitet – nicht aber irgendwie als Projektvorgabe gesetzt werden.
W2K wird auch weiterhin für die Städte Kenzingen, Herbolzheim und Mahlberg mit allem rechtlichen Nachdruck darauf drängen, nur einen gesichert vernünftigen Bahnausbau planfestzustellen.
Mehr Informationen zum W2K-Team:Rechtsanwalt Prof. Dr. Dominik Kupfer und Rechtsanwalt Dr. Christoph Mayer, LL.M.